Gießener Kreidekreise

Das Konzept der „Gießener Kreidekreise“ beruht auf den Empfehlungen des RKI, unter Einbeziehung der Erfahrungen aus bisher durchgeführten Demonstrationen und den sich daraus ergebenden Daten und Projektionen. Alle Maßnahmen zielen darauf ab, physische Distanzierung im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen zu ermöglichen und so allen Teilnehmenden eine sichere Versammlung und im Fall der Fälle eine Rückverfolgung von Infektionswegen unter Wahrung des Datenschutzes zu bieten. Das Konzept setzt die Nutzung einer datentechnischen Lösung zur Handhabung von Anmeldungen voraus. Die aktive Durchführung des Konzeptes und der Ausschluss von Zuwiderhandelnden ist die Voraussetzung für die Anmeldung einer Versammlung unter der Kondition der Pandemie, in der Musik und Darstellung selbst als Ausdruck der politischen Willensbildung gelten können.

  1. Teilung
    Das Konzept bezieht sich auf Versammlungen mit nicht mehr als 600 Personen unter freiem Himmel, Versammlungen, die nach Anmeldezahlen größer ausfallen müssen unbedingt räumlich getrennt werden, um das Konzept erfolgreich durchführen zu können. Eine Gastronomie kann wegen der zwangsläufigen Massierung von Menschen und ungeklärter Abläufe zur hygienischen Behandlung von Behältnissen und Abfällen nicht sicher durchgeführt werden. Das Mitbringen eigener Behältnisse, Plastikflaschen und Dosen ist hingegen problemfrei möglich. Der Müll muss selbsttätig entsorgt
    werden können.

  2. Gruppierung
    Die Teilnahme an Versammlungen dieser Art ist nur in Gruppen von maximal 10 Personen möglich. Die Maximalanzahl von Personen pro Gruppe können je nach aktueller Vorgabe der hessischen Corona-Verordnungen skaliert werden.
    Jeweils eine Person der Gruppe fungiert als kenntlich gemachter Ordner der jeweiligen Gruppe. Personen einer Gruppe dürfen untereinander „abstandslos“ verkehren, wenn die Gruppe Abstand zu allen anderen Gruppen hält, ansonsten ist der Mindestabstand zu anderen Personen einzuhalten und – wo dies nicht möglich ist – Mund-Nasen Schutz zu tragen.
    Der Ordner kann sich selbstverständlich alleine zur Toilette bewegen oder bei einem Nichtraucherkreis alleine rauchen gehen, er darf den Versammlungsort aber nicht vor seiner Gruppe verlassen und sollte stets über seine Gruppe im Bilde sein.

  3. Kreidekreise
    Kernelement des Konzepts ist die Markierung des öffentlichen Raums mit Kreidekreisen in den Abständen und Ausdehnungen, die der gültigen Corona-Verordnung des Landes Hessen entsprechen. Zur Zeit ist das ein Kreisdurchmesser von 3,50m und ein Abstand zum nächsten Kreis von mindestens 1,50m. Wenn ein Kreis nur durch
    das Passieren eines weiteren Kreises erreichbar ist, muss der Weg eine Breite von mindestens 3m aufweisen. Die relative Freiheit, die innerhalb einer Gruppe innerhalb eines solchen Kreises genossen werden kann, steht im Gegensatz zu den Pflichten zur Rücksichtnahme und unbedingten Höflichkeit, die außerhalb der Kreise Voraussetzung
    der Versammlung sind. Alternativ und nur für bestuhlte Konzerte auf asphaltierten oder geschotterten Flächen, können die Kreidekreise zugunsten exakt ausgemessener Abstände einzelner Stühle getauscht werden, die sich in ein den Regelungen entsprechendes Wegenetz einfügen müssen.

  4. Maskierung
    Auf der Versammlung gilt Maskenpflicht (Bedeckung von Mund und Nase) auf allen Wegen außerhalb der Kreidekreise /Stuhlreihen. Es ist jedoch erlaubt, einzeln und am Rande der Versammlung unter Beachtung der physischen Distanzierung zu rauchen.

  5. Verkehrsführung
    Es ist eine „Einbahnstrassen“-Verkehrsführung anzulegen und auszuzeichnen. Wo dies nicht möglich ist, muss es durch Vorkehrungen ermöglicht werden stets den Mindestabstand einhalten zu können.

  6. Nachverfolgbarkeit
    Die Mitglieder der teilnehmenden Gruppen müssen untereinander bekannt sein, die Person, die als Ordner/in fungiert meldet sich über einen Kommunikationslink ihrer Wahl unter dem Namen ihrer Gruppe an, und bucht sich auf einem Kundgebungsort ein. Im Falle technischer Probleme ist auch eine Nachmeldung der Gruppe in physischer Form möglich,
    allerdings sollte der Löwenanteil der Anmeldungen einen Tag vor Versammlungsbeginn elektronisch abgeschlossen sein.
    Es ist naturgemäß nur eine endliche Anzahl von Kreisen verfügbar, bei variierenden Gruppengrößen kann so die Anzahl der verfügbaren Plätze stark schwanken.

  7. Vorfeld und Versammlungszone
    Es muss zwischen Versammlungsgelände und einem Vorfeld geschieden werden, Flatterband ist eine gute Möglichkeit diese Trennung anzuzeigen. Es liegt in der Natur von Versammlungen gegenüber Veranstaltungen, dass der Zutritt zu einer solchen jedermann offen steht. Im Sinne der Infektionsverhütung ist es aber auch nicht wünschenswert, eine
    irgendwie verengend oder konzentrierend wirkende Pfortensituation herzustellen. Demzufolge sollte das Vorfeld so gestaltet sein, dass man an der Versammlung vorbei gehen kann, während man durch Wort und Schrift über das informiert wird, was nötig ist, um an der Versammlung teil zu nehmen. Auch auf dem Vorfeld ist Versammlungsgelände,
    Passanten sind durch Ordner auf den Versammlungscharakter aufmerksam zu machen, Maskenpflicht und Anmeldepflicht sind zu erklären und als Ziel der Demonstration zu vermitteln, bei Unvereinbarkeit mit den Wünschen des Passanten muss um Verlassen des Platzes gebeten werden, der Zugang zum abgetrennten Versammlungsgelände ist
    dann zu verwehren.

  8. Soziale Ansprache
    Die Notwendigkeit zur Selbstorganisation, um kulturelle Versammlungen angesichts der Lage möglich zu machen und zu erhalten, muss im Zentrum der Ansprache stehen.